Parasite Farm

Wer weiß heutzutage noch wie Gemüse wächst und angebaut wird? Innerhalb von zwei Generationen wurde das Wissen und Bewusstsein für den saisonalen und regionalen Anbau gegen ein ganzjähriges und internationales Gemüsesortiment im Supermarktregal getauscht. Um wieder ein Bewusstsein für Ernährungszusammenhänge zu schaffen, etabliert die Parasite Farm einen Nährstoffkreislauf innerhalb der Wohnung. Sie lässt sich dabei problemlos in das vorhandene Mobiliar integrieren und nutzt verfügbare Nischen optimal aus. Die Parasite Farm besteht aus einem Kompostsystem und beleuchteten Pflanzkästen, die in das BILLY-Regal von Ikea eingehängt werden können. Der Komposter wird an den Küchentisch  gehängt und wird somit zum sympathischen Parasiten, der sich von „Bioabfällen“ aus der Küche ernährt. Der Nährstoffkreislauf beginnt dort, wo die organischen Anteile normalerweise zu „Abfall“ werden: Vom Schneidebrett aus wandert das organische Material in den Kompostbehälter, wo es die Kompostwürmer in nährstoffreichen Humus umwandeln. Der Humus bildet dann wiederum die Grundlage für die Gemüsezucht im Bücherregal und nach erfolgreicher Ernte landen die Reste des eigenen Gemüses wieder im Komposter. Pflanze, Mensch und Wurm gehen dabei eine Symbiose ein, bei der Nahrung für alle Seiten produziert wird, sodass letztlich jeder zum Parasiten des anderen wird.
Charlotte Dieckmann und Nils Ferber

Alle Bilder von  Alexander Giesemann

79 comments

  1. Coole idee aber wie schaut es mit geruch aus?
    So Kompost haufen richt ja nicht gerade frühlingsfrisch und solchen geruch will man nich wirklich in der küche haben, ich finde es auch unpraktisch das man es nur an eine tischkante hängen kann wenn man es auch normal auf dem Boden stellen könnte wäre es praktischer.

    LG

  2. Hallo Anna,
    ich habe hinter der Zeichnung, die den Ablauf im Komposter veranschaulicht einen Nachtrag eingefügt. Da kannst du nachlesen wie es in der Theorie mit der Geruchsbildung aussieht. Der Komposter ist nicht mit einer Biotonne zu vergleichen!!
    In unserem Praxistest hat sich gezeigt, dass man in der Küche kaum einen Geruch wahrnimmt.
    Wir haben den Komposter so gestaltet, dass man ihn zeitweise auch auf den Boden stellen kann, falls der ganze Tisch gebraucht werden sollte. Dann ist er allerdings nicht benutzbar, da er sich in einer Schräglage befindet. Aber da es sich ja bei dem Komposter um einen Parasiten handelt, kann er sich nur richtig ernähren, wenn er am Tisch hängt;)

    1. Hallo Raffael,
      die Parasite Farm ist kein Ersatz für die Biotonne, sondern eher als ein Haustier zu betrachten. Es können also nicht einfach alle anfallenden Bioabfälle in den Komposter getan werden. Unter optimalen Bedingungen können die Kompostwürmer täglich die halbe bis ganze Masse des eigenen Körpergewichts vertilgen. Von 100 Prozent Ausgangsmaterialien bleiben 15 Prozent als Wurmkompost übrig, da der hohe Wasseranteil der Gemüseabfälle bei der Kompostierung als Flüssigdünger abläuft. Der Behälter sollte für den Abfall eines 1-2 Personenhaushalt genug Platz bieten.

      Du könntest dir zu Not ja auch 3 nebeneinander hängen;)

  3. Pingback: E-bike
  4. Pingback: Urban Gardening 12
  5. Sehr schön! und mir scheint auch, dass es praktisch ist. Ob es funktioniert, werdet ihr noch herausfinden. Nur, ich brauch eine Lösung für sofort und meine Alternative ist die Wurmkiste in der Wohnung aus der ich auch fertigen Kompost ernten kann oder den Bokashi-Eimern (2St.)von EM (Effektive Mikroorganismen)wo ich den kostbaren Abfall nur verschenken kann, an z.B. Gartenbesitzer. Bitte haltet mich auf jeden Fall auf dem Laufenden…

  6. Hallo!
    super praktisch, die Idee mit dem Schneidebrett und dem Behälter gleich darunter. Allerdings: die ca. 30 Liter Volumen (wieviele sind es genau?) füllen sich vermutlich innerhalb von 2-3 Wochen (je nach dem, natürlich). Dann ist das Ding voll, und dann? Brettchen ab und auf dem Kompost auskippen? oder einen zweiten Küchenparasiten kaufen?

  7. hi

    super idee, wär für mich die ideale lösung. jetzt wollt ich noch wissen ob diese fliegenfalle funktioniert, weil das für mich unlogisch ausschaut wie es af der zeichnung abgebildet ist. die können ja auch raus wenn ma oben des schneidbrett aufschiebt oder warum sollten sich alle fliegenden viecherln um des kleine runde ding im eck streiten wollen?… 2 frage wär, wenn das alles so funktioniert, wan nkann ma das kaufen?

  8. Hallo
    Sehe das ganze mit kritischen Augen.
    1. Je kleiner der Kompost, je schwerer wird es die Vielfalt der Kompostlebewesen im Gleichgewicht zu halten (Stichwort: Harmonische Rotte). Kippt dieses Gleichgewicht, so können schnell schädliche Schimmelpilze, Bakterien und andere unerwünschte Lebewesen überhand nehmen.
    Gegen die Geruchsentwicklung hilft die regelmässige Beimischung von Gesteinsmehlen (z.B Urgesteinsmehl).
    Ich käme nie auf die Idee in der Küche zu kompostieren, ein Kompost auf dem Balkon ist da viel Benutzerfreundlicher.
    2. Licht von Leuchtstoffröhren wird niemals ausreichen, selbst wenn zusätzlich Licht duch die Fenster scheint. Blüten bestäuben darf man auch nie vergessen, denn nur dann entstehen Früchte. Also auch da wäre der Balkon ein besserer Platz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *